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Nur mal zeigen

Dirk Sagebiel
„Danach“



Danach

Es wird nach einem happy end

im Film jewöhnlich abjeblendt.

Man sieht bloß noch in ihre Lippen

den Helden seinen Schnurrbart stippen –

da hat sie nu den Schentelmen.

Na, un denn –?

 

Denn jehn die beeden brav ins Bett.

Na ja ... diß is ja auch janz nett.

A manchmal möcht man doch jern wissn:

Wat tun se, wenn se sich nich kissn?

Die könn ja doch nich imma penn ... !

Na, un denn –?

 

Denn säuselt im Kamin der Wind.

Denn kricht det junge Paar 'n Kind.

Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.

Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.

Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...

Na, un denn –?

 

Denn is det Kind nich uffn Damm.

Denn bleihm die beeden doch zesamm.

Denn quäln se sich noch manche Jahre.

Er will noch wat mit blonde Haare:

vorn doof und hinten minorenn ...

Na, un denn –?

 

Denn sind se alt.

Der Sohn haut ab.

Der Olle macht nu ooch bald schlapp.

Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit –

Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!

Wie der noch scharf uff Muttern war,

det is schon beinah nich mehr wahr!

Der olle Mann denkt so zurück:

wat hat er nu von seinen Jlück?

Die Ehe war zum jrößten Teile

vabrühte Milch un Langeweile.

Und darum wird beim happy end

im Film jewöhnlich abjeblendt.

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 01.04.1930, Nr. 14, S. 517,

Kategorie: Diverses
Rubrik: Nur mal zeigen
Hochgeladen: 07.10.2013
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Kamera: Canon
Objektiv: EF180mm f/3.5L Macro USM
Blende: f 5
Brennweite: 180 mm
Belichtung: 1/5 sec
ISO: 100
Keywords: Dirk Sagebiel


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Kommentare zum Bild

Norbert Reimann
07.10.2013

Gefällt mir beides,dein Foto und das passende Gedicht dazu.
Ein toller Einfall von dir.
VG Norbert

Gelöschter Benutzer
15.10.2013

sehr schönes Bild, Idee und "Highkey".
Gefällt mir sehr gut.
VG Jerry