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Inszeniert

KlaMei
„„Die vier Claqueure“ “


Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich...
Bei einem Besuch in Schwetzingen kamen wir an einer Skulptur mit vier Personen vorbei.
Alle sahen sich ähnlich. Die Gesichter mit gleichgültigem Ausdruck, dafür klatschten alle in die Hände. Zu Hause konnte ich den Hintergrund erfahren und war erstaunt, was sich die Leute so einfallen lassen. Die gezeigten Männer gab/gibt es wirklich, bis heute. Weiter unten wird die Bedeutung des „Claqueurs“ beschrieben...

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Ein Claquer                     
ist eine männliche Figur, die während einer Vorstellung aktiv dazu beiträgt, dass Applaus und Begeisterung ertönen. Der Begriff hat seinen Ursprung im Französischen und bezieht sich auf Personen, die das Publikum gezielt durch Klatschen und Beifall anregen. Claqueure spielen eine wesentliche Rolle im Theater, indem sie das Publikum dazu animieren, lautstark zu applaudieren.

Diese Art von Begeisterung sorgt oft dafür, dass die Atmosphäre während einer Aufführung aufgelockert und lebendig bleibt. Im deutschen Sprachraum wird ein Claqueur häufig als jemand angesehen, der die Begeisterung des Publikums beeinflusst, um eine höhere Anerkennung für die Darbietung zu erzeugen.

Der Begriff „Claquer“ hat ein männliches grammatikalisches Geschlecht, was zu Missverständnissen über die Geschlechterverteilung in solchen Rollen führen kann. Claqueure fungieren somit oft als Brücke zwischen den Künstlern und den Zuschauern, indem sie den Applaus steuern und verstärken.

Ursprung und Etymologie des Begriffs
Der Begriff „Claqueur“ hat seine Wurzeln in der französischen Theaterkultur des 19. Jahrhunderts. Er leitet sich vom französischen Wort „claque“ ab, was so viel wie „klatschen“ oder „beifallen“ bedeutet. Ursprünglich bezog sich der Claqueur auf Personen, die während einer Aufführung gezielt Applaus und Beifall im Publikum erzeugten, um die Stimmung zu heben und die Künstler zu unterstützen. Dies geschah hauptsächlich in Theaterstücken, bei denen es entscheidend war, die Reaktionen des Publikums zu beeinflussen.

Claqueure waren oft in solchen Aufführungen angestellt, um die allgemeine Wahrnehmung eines Stücks zu verbessern und die Verkaufszahlen zu steigern. Dieser Gallizismus spiegelt die enge Verbindung zwischen Schauspielkunst und Publikumsinteraktion wider, die in der französischen Theaterkultur besonders stark ausgeprägt ist. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff verwendet, um sich auf die Gesamtheit dieser Praktiken zu beziehen, sodass Claqueure eine unverzichtbare Rolle in der Welt der Aufführungen einnahmen, sowohl für die Künstler als auch für das Publikum.

Die Rolle der Claqueure im Theater
Claqueure spielen eine entscheidende Rolle im Theater, indem sie als bezahlte Beifallklatscher die Stimmung während Aufführungen gezielt beeinflussen. Ihr strategisches Agieren sorgt dafür, dass das Publikum zur Begeisterung und zum Applaus animiert wird. Diese professionellen Beifallsspender sind darauf trainiert, den richtigen Moment abzupassen, um die Reaktionen des Publikums zu steuern. Gezielter Beifall und enthusiastisches Klatschen können die Wahrnehmung einer Vorstellung erheblich verändern und den Erfolg der Aufführung steigern. Oftmals sind Claqueure im Hintergrund tätig, ihre Anwesenheit bleibt für die meisten Zuschauer unbemerkt, doch ihr Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Indem sie die Emotionen im Saal anheizen, schaffen sie eine Atmosphäre, in der das Schauspielerensemble ermutigt wird und eine dynamische Wechselwirkung zwischen Bühne und Publikum entsteht. Die Rolle der Claqueure geht über das einfache Klatschen hinaus; sie sind ein essentielles Element, das zur Kunst des Theaters gehört und zur Erfahrung der Zuschauer beiträgt.

Klischees und Missverständnisse über Claqueure
Missverständnisse über Claqueure sind weit verbreitet. Oft wird angenommen, dass Claqueure schlichtweg Beifallklatscher sind, die sich in den Hintergrund eines Theaterstücks oder einer Aufführung drängen, um künstlich Applaus zu erzeugen. In Wahrheit spielt die Rolle dieser Künstler eine vielschichtigere und wichtigere Funktion. Claqueure sind nicht nur dafür zuständig, das Publikum anzufeuern, sondern sie tragen auch maßgeblich zur Stimmung während einer Vorführung bei. Ihre Anwesenheit kann die emotionale Resonanz eines Stücks oder einer Fernsehshow stärker beeinflussen, als viele denken. Der subtile Einsatz von Claqueuren kann die Reaktion des Publikums steuern und die Performance des Künstlers positiv beeinflussen. Während einige Klischees Claqueure als manipulativ darstellen, ist es wichtig zu beachten, dass sie oft als Teil des künstlerischen Prozesses angesehen werden, der darauf abzielt, eine fesselnde Erfahrung für das Publikum zu schaffen. Vorurteile über diesen Berufszweig haben somit einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung der Claqueure und ihrer wertvollen Rolle im kulturellen Geschehen.                                                                                                                     
Quelle: https://brandenburger-bote.de/panorama/claqueuren-bedeutung/

Jetzt wurden mir im nachhinein einige Momente bei Veranstaltungen klar, wo ich dachte: was gibt es da zu klatschen ? So beispielsweise bei einem Auftritt in den Anfangsjahren von Otto Waalkes. In dieser Vorstellung wurde (viel) zu oft von einer Person bei jeder Gelegenheit geklatscht und zustimmend gerufen. Das Publikum zog dann auch mit. Später habe ich erfahren, dass das der Manager von Otto war. Er war somit der professionelle Claqueur, der für bessere Stimmung sorgen und damit den Bekanntheitsgrad steigern wollte. Das hat ja dann auch funktioniert.

Kategorie: Menschen
Rubrik: Inszeniert
Hochgeladen: 17.02.2026
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Keywords: Skulpturen, Claqueur


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Kommentare zum Bild

Ida Ernenputsch
17.02.2026

Hallo Klaus
danke für die ausführlich Beschreibung der Skulptur. Die Claqueure sind überall unter uns, nicht nur im Theater. Ich erinnere an einem bekannten Ausruf: Wollt Ihr den totalen Krieg", das Volk schreit Ja! Vielleicht sind die Claqueure jetzt die Smartphones mit ihren ständigen Mitteilungen.
Mir gefällt die Skulptur sehr gut und natürlich auch Dein Foto. Es regt zum Nachdenken an.
Gruß Ida

Michael Dehms
17.02.2026

Sehr schöne Aufnahme von dieser interessanten Skulptur und eine interessante Erläuterung von dir dazu. Ida hat zwei treffende Beispiele dazu genannt. Wobei ich das Gefühl habe, dass die heutigen Claqueure sich ihrer Rolle oft nicht bewusst sind - oder war das schon immer so?
Gruß Michael

KlaMei
17.02.2026

Hallo Ida & Michael,
vielen Dank für die Kommentare. Eigentlich verstehe ich die Aufgabe des Claqueurs die Verbindung oder Emotionen zwischen den aktiven "Akteuren" und dem "Publikum" zu erhöhen. Hitler wäre dann der Akteur und Claqueur in einer Person.
Dreht man die Sichtweise um, so wären die Gräueltaten, die er an anderen Menschen verüben möchte, die gedanklichen Akteure und das Volk die Akteure, die diese Taten umsetzen sollen. nicht ganz einfache These für mich. Oder was meint Ihr damit ?
Bei den Smartphones stimme ich voll zu. Ob gewollt oder ungewollt, wie Michael richtig vermutet, werden hier ganz bestimmte Inhalte durch eine geschickte Aufmachung und Präsentation einer großen Menge "zur Fütterung" gereicht.

Das war wohl immer schon so. Hier noch einmal eine psychologische Erklärung des Verhaltens, die ich gerade noch gefunden habe:

Der psychologische Hintergrund eines Claqueurs (eines bezahlten Applaudierers) basiert primär auf der gezielten Manipulation der sozialen Bewährtheit (Social Proof).

Hier sind die zentralen psychologischen Mechanismen:

Soziale Bewährtheit: In unsicheren Situationen – etwa wenn ein Publikum nicht sicher ist, wie es ein neues Theaterstück oder eine Rede bewerten soll – orientieren sich Menschen am Verhalten ihrer Mitmenschen. Der Claqueur liefert das Signal, dass die Darbietung positiv ist, was andere dazu animiert, sich anzuschließen.

Vermeidung von kognitiver Dissonanz:
Wenn jemand klatscht, weil es alle anderen tun, passt er oft unbewusst seine innere Einstellung an sein äußeres Verhalten an, um sich nicht widersprüchlich zu fühlen. Das „mitgerissene“ Klatschen führt so oft zu einer tatsächlich positiveren Wahrnehmung des Erlebten.

Angst vor sozialer Ausgrenzung:
Der psychologische Druck, in einer jubelnden Menge nicht als Außenseiter oder Spielverderber dazustehen, bringt Individuen dazu, sich dem Gruppenverhalten (Konformität) anzupassen.

Emotionale Ansteckung:
Applaus und Jubel erzeugen eine energetische Atmosphäre. Diese Emotionen übertragen sich unbewusst auf das restliche Publikum, was die Hemmschwelle für eigene Begeisterung senkt.
Historisch betrachtet dienten Claqueure dazu, ein unsicheres Publikum zu führen und einen Konsens über den „guten Geschmack“ zu erzwingen, besonders wenn traditionelle Werte wegbröckelten.

Möchtet Ihr wissen, wie diese Techniken heute im digitalen Raum (z. B. durch Social-Media-Bots) eingesetzt werden?

Heutige Social-Media-Bots agieren als „digitale Claqueure“, indem sie die Mechanismen der Manipulation automatisieren und skalieren. Sie zielen darauf ab, künstlich Mehrheiten vorzutäuschen und den öffentlichen Diskurs zu lenken.
Hier sind die zentralen Techniken im digitalen Raum:

1. Digitales Astroturfing (Künstliche Basisbewegungen)
Der Begriff leitet sich von „AstroTurf“ (Kunstrasen) ab. Hierbei simulieren Bots eine spontane Graswurzelbewegung.

Wirkung: Es wird der Eindruck erweckt, dass eine Idee oder ein Politiker massiven Rückhalt in der Bevölkerung hat. Einzelne Nutzer fühlen sich bei abweichender Meinung als Außenseiter und verstummen oft (Schweigespirale).

2. Manipulation der „Social Proof“-Metriken
Bots fungieren als Claqueure, indem sie Likes, Shares und Kommentare künstlich aufblähen.

Algorithmus-Boosting: Plattform-Algorithmen bewerten Inhalte mit hoher Interaktion als „relevant“ und spielen sie mehr echten Nutzern aus.

Psychologischer Trigger: Hohe Like-Zahlen suggerieren Qualität und Glaubwürdigkeit. Echte Nutzer neigen eher dazu, einem Beitrag zuzustimmen oder ihn zu teilen, wenn dieser bereits tausendfach gelikt wurde.

3. Emotionale Ansteckung & Polarisierung
Digitale Claqueure klatschen nicht nur, sie greifen auch an.

Hate Speech & Zuspruch: Bots werden eingesetzt, um kontroverse Themen durch aggressive Kommentare zu befeuern oder die eigene Seite durch übertriebenes Lob zu stärken.

Zerstörung des Konsenses: Ziel ist oft nicht die Überzeugung, sondern die Demotivierung der Gegenseite oder das Säen von Zweifeln, bis die Wahrheit in einem „Rauschen“ aus widersprüchlichen Informationen untergeht.

4. Technisches „Nudging“
Durch die ständige Wiederholung bestimmter Botschaften (Repetition Bias) verankern Bots Narrative im Gedächtnis der Nutzer. Das Gehirn neigt dazu, Informationen, die es häufig hört, eher für wahr zu halten.

Wie man sieht sind wir alle von tausendfachen Claqueuren jeden Tag umgeben. Wie soll man sich da noch vor schützen ?

Habe wieder viel dadurch gelernt.

Michael Dehms
18.02.2026

Hallo Klaus,

vielen Dank für deine weiterführenden Erläuterungen zum Thema. Sehr interessant!
Gruß Michael