Handwerk
„Ritter Kunibert der Unbesiegbare“
Da stand er nun. Voll gerüstet und kampfbereit in einem Schloss in Schottland. Bis 30 kg konnte eine Rüstung wiegen. Das sind drei volle 10 Ltr.-Eimer mit Wasser. Und dann musste er noch auf einem Pferd reiten, kämpfen, aber bloß nicht auf Toilette müssen. Denn das war alleine (ohne Knappen) nicht möglich. Darum - Vorsicht bei der Berufswahl.
Weiter unten sind noch andere lustige Anekdoten und Hintergründe zu lesen...
…...............................
Zuerst der humorvolle Teil...
Hier sind zuerst einige Aspekte des Ritterlebens in schwerer Rüstung, die auf historischen Fakten basieren:
Der Toilettengang: Eine Rüstung, die bis zu 30 kg wiegen konnte und aus vielen Einzelteilen bestand, konnte ein Ritter nicht einfach alleine an- oder ausziehen. Es dauerte eine Weile, bis sie angelegt war, und dafür war die Hilfe von Knappen notwendig. Musste ein Ritter während eines Feldzugs oder kurz vor einem Kampf dringend sein Geschäft verrichten, wurde es kompliziert. Zwar gab es wohl sogenannte "Beintaschen", die man öffnen konnte, aber das war sicherlich keine elegante Angelegenheit und barg hohes Potenzial für Missgeschicke unter Zeitdruck.
Gestrandet am Boden:
Entgegen der populären Darstellung in manchen Filmen waren Ritter in Plattenrüstung nicht völlig unbeweglich; sie konnten sich tatsächlich relativ gut bewegen und sogar rennen. Wenn sie jedoch einmal vom Pferd fielen und unglücklich landeten, konnte es schwierig werden, alleine wieder auf die Beine zu kommen, insbesondere wenn sie sich in einer Senke oder im Schlamm befanden. Ein gestrandeter Ritter, der wie ein gestürzter Käfer zappelt, bot sicherlich einen unfreiwillig komischen Anblick.
Überhitzung und Erschöpfung:
Die Rüstung bot zwar hervorragenden Schutz, war aber auch extrem warm. Historische Studien deuten darauf hin, dass die schwere Rüstung den Rittern im Kampf schnell die Luft raubte und sie ermüdete. Ein völlig erschöpfter Ritter, der mitten im Gefecht eine Pause braucht oder gar umfällt, ist aus heutiger Sicht skurril, im Mittelalter aber ein reales Problem.
An- und Ausziehen als soziale Veranstaltung:
Da das Anlegen und Ablegen der Rüstung ein aufwändiger Prozess war, der fremde Hilfe erforderte, war der Ritter nie wirklich "allein" mit seiner Rüstung. Intime Momente oder spontane Aktionen waren kaum möglich, ohne dass das Gefolge davon wusste oder involviert war. Dies führte zu einer Art öffentlicher Privatsphäre, die aus moderner Sicht amüsant erscheint.
"Ritter in glänzender Rüstung" als Redewendung:
Die Vorstellung vom "Ritter in glänzender Rüstung", der seine Angebetete rettet, ist eine bekannte Redewendung. Die Realität war oft weniger glänzend: Die Rüstungen wurden im Feld dreckig, stumpf oder verrosteten bei schlechtem Wetter. Ein Ritter, der versucht, elegant und heldenhaft zu wirken, während seine Rüstung knarrt, schmutzig ist und er schwitzt, bietet einen komischen Kontrast zum Idealbild.
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Und hier die Bedeutung einer Ritterrüstung.
War der Ritter in schwerer Rüstung geschützt ?
Ja, ein Ritter in schwerer Plattenrüstung war sehr gut geschützt, insbesondere gegen die gängigen Waffen seiner Zeit wie Schwerter und Speere. Die Rüstung war der Höhepunkt der mittelalterlichen Schutztechnologie.
Rüstung und Ausrüstung der Ritter
Ein Ritter hoch zu Ross, in voller Eisenmontur mit Schild und Lanze auf den Feind zureitend: Die Rüstung ist das äußere Erkennungsmerkmal des Ritters und gilt bis heute als Symbol für Stärke und Sicherheit.
Vom Panzerhemd zum Vollharnisch
Doch bis der Ritter komplett in Eisen gehüllt wurde, durchlebte die Rüstung so manche Wandlung. Zu Beginn des Rittertums bestand die Rüstung aus dem Panzerhemd der fränkischen Panzerreiter, einem nach römischem Vorbild kurzärmeligen Schuppenpanzer mit Tausenden kleiner eiserner Plättchen. Als Beinschutz dienten Ledergamaschen oder Metallschienen.
Durch oströmische Einflüsse während der Kreuzzüge wurde das Panzerhemd zum knielangen Kettenhemd samt Kettenstrümpfen, aus den Plättchen wurden Ringe. Hergestellt wurden die Panzerhemden von so genannten Plattnern.
Mit dem Aufkommen der Kettenpanzer entstand das mittelalterliche Handwerk der Sarwürker. Sie fertigten aus Eisen die Ringe an, die von Hand in mühseliger Kleinarbeit miteinander verkettet wurden, um dem Ritter einen optimalen Schutz gegen Schnitt- und Stichwunden zu bieten.
Auch der Helm zeigte sich immer wieder in neuem Look: Ließ er anfangs das Gesicht noch komplett ungeschützt, konnte der Nasalhelm um 1050 bereits mit einem Extraschutz für die Nase aufwarten und rund hundert Jahre später mit einer zusätzlichen Visierplatte.
Das gesamte Gesicht wurde dann ab etwa 1220 vom Topfhelm bedeckt. Der brachte jedoch auch Tücken mit sich – vor allem war der Ritter nicht mehr in der Lage, im Kampf seinen Gegner zu erkennen.
Dadurch wuchs die Bedeutung der Wappen, die nun als Erkennungszeichen einer Familie oder eines Standes fungierten und als kunstvoll gemalte oder gestickte Bilder den Topfhelm zierten.
Mit der Zeit hatte dieser sich jedoch zu einem wahren Ungetüm ausgewachsen. Das rief die Beckenhaube mit beweglichem Visier auf den Plan. Spitz nach vorne gezogen erinnerte sie an eine Hundeschnauze, was ihr schnell den Spitznamen "Hundsgugel" einbrachte.
Großer Beliebtheit erfreute sich dann im Spätmittelalter der Schaller, nach hinten spitz ausgezogen und mit festem Visier.
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts hatte das Kettenhemd als alleiniger Schutz ausgedient: Das war die Geburtsstunde des Brustpanzers aus Eisen, angepasst an die Körperform, getragen über dem Kettenhemd. Als zu Beginn des 14. Jahrhunderts Kniekacheln und Metallplatten für Arme und Beine hinzukamen, war der Ritter fast ganz in die Plattenrüstung eingeschlossen.
Komplett in Metall gehüllt war er dann gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Eisen- oder Stahlharnisch. Dieser bot zwar größtmögliche Sicherheit, doch eines hatte der Ritter nicht bedacht: Durch die schwerere Rüstung wurde er auch unbeweglicher.
Das Schwert als heilige Waffe.
Im Kampf agierte der Ritter hauptsächlich mit zwei Arten von Waffen: der Stoß- und der Schlagwaffe. Zu Anfang des Kampfes setzte er vor allem seine Stoßlanze ein, die es auf die beachtliche Länge von drei Metern schaffte.
Eine spezielle Art der Lanze, die Turnierlanze, kam wohl im 13. Jahrhundert auf. Sie bestand aus leicht splitterndem Nadelholz, das eigentlich eine höhere Sicherheit gewährleisten sollte – der französische König Heinrich II. starb allerdings 1559 genau an dem splitternden Schaft eben einer solchen Lanze.
Als Inbegriff des Rittertums gilt und galt jedoch das Schwert. Die lange, beidseitig geschliffene Schlagwaffe kam in der Schlacht meist im Nahkampf zum Einsatz, oder wenn die Lanze gebrochen war.
Darüber hinaus hatte das Schwert für den Ritter auch symbolischen Wert, mitunter wurde es als regelrecht heilig angesehen. Häufig sprachen die Menschen den Schwertern sogar übernatürliche Kräfte zu und gaben ihnen eigene Namen.
Neben diesen beiden gängigsten Waffen griffen die Ritter aber auch auf anderes Kriegswerkzeug zurück wie den Streitkolben, den Morgenstern und die Streitaxt – mit ihr konnten sie sogar Rüstungen aufreißen.
Dem Schild, der in Form und Farbe stark variieren konnte, kam eine Sonderstellung unter den Waffen zu. Er diente nicht nur dem Schutz vor Angriffen, der Ritter konnte auch selbst Schläge damit austeilen.
Ohne Ross kein Ritter
Eine besondere Bedeutung in der Ausrüstung des Ritters kam seinem Pferd zu. Es war sein Statussymbol, von ihm hing seine Existenz als Krieger ab.
Und ein Ritter musste im Besitz gleich mehrerer Pferde sein. So brauchte er ein Reisepferd, ein Saumpferd, das seine Rüstung tragen musste, und das schwere, besonders wertvolle Pferd für die Schlacht, das im 11. Jahrhundert einen Wert von fünf bis zehn Ochsen hatte.
Ging es in den Kampf, trug nicht nur der Ritter eine Rüstung, sondern auch das Schlachtross war gepanzert. Das war allerdings erst seit den Kreuzzügen so, als die Ritter zunehmend auf Gegner wie die Fußsoldaten trafen, die sich nicht an die ritterlichen Standesregeln gebunden sahen. Diese untersagten nämlich streng die vorsätzliche Tötung der äußerst kostbaren, eigens für den Kampf trainierten Tiere.
Erst kurz vor dem Angriff, nachdem seine Knappen ihn auf den Pferderücken gehievt hatten, übernahm der Ritter hoch zu Ross Lanze und Schild, und die Einheit aus Mann, Rüstung und Pferd war bereit für die Schlacht.
Das Streitross zeichnete sich übrigens weniger durch besondere Schnelligkeit als durch Wuchtigkeit aus. Da sich die gesamte Energie dieses Trios in der Spitze der Lanze bündelte, hatte es im Kampf eine immense Durchschlagskraft.
Mit der Verbindung des Ritters mit seinem Pferd stand und fiel sein Erfolg. War das Ross kampfunfähig oder sogar tot, wurde der Ritter in der Schlacht schnell zu leichter Beute. Funktionierte die Einheit aus Mensch und Tier jedoch, sahen sich seine Gegner einem nur schwer zu schlagenden Feind gegenüber.
Ein muslimischer Gelehrter brachte es während der Kreuzzüge auf den Punkt: "Wenn ein Franke einmal in Fahrt gekommen ist, könnte er die Mauern von Bagdad durchbrechen."
Quelle: mittelalter/ritter/pwieruestungundausruestung100.html
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Doch auch kritisch waren …
Schwerthiebe und Speerstiche:
Plattenpanzer boten einen hervorragenden Widerstand gegen Hieb- und Stichwaffen. Schwerter konnten die gehärteten Stahlplatten normalerweise nicht durchdringen, sondern glitten an der geformten Oberfläche ab.
Pfeile:
Auch gegen Pfeile von Langbögen oder Armbrüsten bot die Rüstung guten Schutz, besonders auf größere Distanz. Die Energie der Projektile wurde oft absorbiert oder abgelenkt.
Mehrschichtiger Schutz:
Unter der eigentlichen Plattenrüstung trug der Ritter in der Regel ein gepolstertes Untergewand (Wams oder Waffenrock) und oft zusätzlich ein Kettenhemd, um die Lücken zwischen den Platten abzudecken und die Wucht von Schlägen weiter zu mindern.
Schwachstellen und Gegenwaffen
Die Rüstung war jedoch nicht unüberwindbar und ihre Entwicklung führte auch zur Entwicklung spezieller Gegenwaffen:
Stumpfe Waffen: Waffen wie Streitkolben, Kriegshämmer und Morgensterne waren darauf ausgelegt, die Wucht des Aufpralls durch die Platten hindurch auf den Körper des Ritters zu übertragen. Auch wenn die Rüstung nicht durchschlagen wurde, konnten diese Schläge zu schweren inneren Verletzungen, Prellungen oder Knochenbrüchen führen.
Stichwaffen für Lücken: Spezielle Stangenwaffen wie Hellebarden oder Luzerner Hämmer hatten oft spitze Enden, die darauf abzielten, in die Fugen und Spalten der Rüstung einzudringen, insbesondere an den Gelenken, Achselhöhlen oder am Visier des Helms.
Feuerwaffen: Mit dem Aufkommen von Musketen und anderen frühen Feuerwaffen verloren die Rüstungen an Effektivität, da die hohe Durchschlagskraft von Kugeln selbst dicke Platten durchdringen konnte, besonders auf kurze Distanz.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die schwere Rüstung einen Ritter zu einer Art "gepanzertem Fahrzeug" des Mittelalters machte, das gegen die meisten Bedrohungen hochwirksam geschützt war, aber dennoch spezifische Schwachstellen hatte, die erfahrene Gegner auszunutzen wussten.
Nur gut, dass wir heutzutage keine Rüstung dieser Art mehr in der Bundeswehr haben, sonst würden sich noch weniger zum Wehrdienst melden. Und die, die sich melden, würden sich dann nur zu „Knappen“ verpflichten wollen. Nach dem Motto: lieber Rüstung putzen, als Rüstung tragen.
Weiter unten sind noch andere lustige Anekdoten und Hintergründe zu lesen...
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Zuerst der humorvolle Teil...
Hier sind zuerst einige Aspekte des Ritterlebens in schwerer Rüstung, die auf historischen Fakten basieren:
Der Toilettengang: Eine Rüstung, die bis zu 30 kg wiegen konnte und aus vielen Einzelteilen bestand, konnte ein Ritter nicht einfach alleine an- oder ausziehen. Es dauerte eine Weile, bis sie angelegt war, und dafür war die Hilfe von Knappen notwendig. Musste ein Ritter während eines Feldzugs oder kurz vor einem Kampf dringend sein Geschäft verrichten, wurde es kompliziert. Zwar gab es wohl sogenannte "Beintaschen", die man öffnen konnte, aber das war sicherlich keine elegante Angelegenheit und barg hohes Potenzial für Missgeschicke unter Zeitdruck.
Gestrandet am Boden:
Entgegen der populären Darstellung in manchen Filmen waren Ritter in Plattenrüstung nicht völlig unbeweglich; sie konnten sich tatsächlich relativ gut bewegen und sogar rennen. Wenn sie jedoch einmal vom Pferd fielen und unglücklich landeten, konnte es schwierig werden, alleine wieder auf die Beine zu kommen, insbesondere wenn sie sich in einer Senke oder im Schlamm befanden. Ein gestrandeter Ritter, der wie ein gestürzter Käfer zappelt, bot sicherlich einen unfreiwillig komischen Anblick.
Überhitzung und Erschöpfung:
Die Rüstung bot zwar hervorragenden Schutz, war aber auch extrem warm. Historische Studien deuten darauf hin, dass die schwere Rüstung den Rittern im Kampf schnell die Luft raubte und sie ermüdete. Ein völlig erschöpfter Ritter, der mitten im Gefecht eine Pause braucht oder gar umfällt, ist aus heutiger Sicht skurril, im Mittelalter aber ein reales Problem.
An- und Ausziehen als soziale Veranstaltung:
Da das Anlegen und Ablegen der Rüstung ein aufwändiger Prozess war, der fremde Hilfe erforderte, war der Ritter nie wirklich "allein" mit seiner Rüstung. Intime Momente oder spontane Aktionen waren kaum möglich, ohne dass das Gefolge davon wusste oder involviert war. Dies führte zu einer Art öffentlicher Privatsphäre, die aus moderner Sicht amüsant erscheint.
"Ritter in glänzender Rüstung" als Redewendung:
Die Vorstellung vom "Ritter in glänzender Rüstung", der seine Angebetete rettet, ist eine bekannte Redewendung. Die Realität war oft weniger glänzend: Die Rüstungen wurden im Feld dreckig, stumpf oder verrosteten bei schlechtem Wetter. Ein Ritter, der versucht, elegant und heldenhaft zu wirken, während seine Rüstung knarrt, schmutzig ist und er schwitzt, bietet einen komischen Kontrast zum Idealbild.
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Und hier die Bedeutung einer Ritterrüstung.
War der Ritter in schwerer Rüstung geschützt ?
Ja, ein Ritter in schwerer Plattenrüstung war sehr gut geschützt, insbesondere gegen die gängigen Waffen seiner Zeit wie Schwerter und Speere. Die Rüstung war der Höhepunkt der mittelalterlichen Schutztechnologie.
Rüstung und Ausrüstung der Ritter
Ein Ritter hoch zu Ross, in voller Eisenmontur mit Schild und Lanze auf den Feind zureitend: Die Rüstung ist das äußere Erkennungsmerkmal des Ritters und gilt bis heute als Symbol für Stärke und Sicherheit.
Vom Panzerhemd zum Vollharnisch
Doch bis der Ritter komplett in Eisen gehüllt wurde, durchlebte die Rüstung so manche Wandlung. Zu Beginn des Rittertums bestand die Rüstung aus dem Panzerhemd der fränkischen Panzerreiter, einem nach römischem Vorbild kurzärmeligen Schuppenpanzer mit Tausenden kleiner eiserner Plättchen. Als Beinschutz dienten Ledergamaschen oder Metallschienen.
Durch oströmische Einflüsse während der Kreuzzüge wurde das Panzerhemd zum knielangen Kettenhemd samt Kettenstrümpfen, aus den Plättchen wurden Ringe. Hergestellt wurden die Panzerhemden von so genannten Plattnern.
Mit dem Aufkommen der Kettenpanzer entstand das mittelalterliche Handwerk der Sarwürker. Sie fertigten aus Eisen die Ringe an, die von Hand in mühseliger Kleinarbeit miteinander verkettet wurden, um dem Ritter einen optimalen Schutz gegen Schnitt- und Stichwunden zu bieten.
Auch der Helm zeigte sich immer wieder in neuem Look: Ließ er anfangs das Gesicht noch komplett ungeschützt, konnte der Nasalhelm um 1050 bereits mit einem Extraschutz für die Nase aufwarten und rund hundert Jahre später mit einer zusätzlichen Visierplatte.
Das gesamte Gesicht wurde dann ab etwa 1220 vom Topfhelm bedeckt. Der brachte jedoch auch Tücken mit sich – vor allem war der Ritter nicht mehr in der Lage, im Kampf seinen Gegner zu erkennen.
Dadurch wuchs die Bedeutung der Wappen, die nun als Erkennungszeichen einer Familie oder eines Standes fungierten und als kunstvoll gemalte oder gestickte Bilder den Topfhelm zierten.
Mit der Zeit hatte dieser sich jedoch zu einem wahren Ungetüm ausgewachsen. Das rief die Beckenhaube mit beweglichem Visier auf den Plan. Spitz nach vorne gezogen erinnerte sie an eine Hundeschnauze, was ihr schnell den Spitznamen "Hundsgugel" einbrachte.
Großer Beliebtheit erfreute sich dann im Spätmittelalter der Schaller, nach hinten spitz ausgezogen und mit festem Visier.
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts hatte das Kettenhemd als alleiniger Schutz ausgedient: Das war die Geburtsstunde des Brustpanzers aus Eisen, angepasst an die Körperform, getragen über dem Kettenhemd. Als zu Beginn des 14. Jahrhunderts Kniekacheln und Metallplatten für Arme und Beine hinzukamen, war der Ritter fast ganz in die Plattenrüstung eingeschlossen.
Komplett in Metall gehüllt war er dann gegen Ende des Jahrhunderts mit dem Eisen- oder Stahlharnisch. Dieser bot zwar größtmögliche Sicherheit, doch eines hatte der Ritter nicht bedacht: Durch die schwerere Rüstung wurde er auch unbeweglicher.
Das Schwert als heilige Waffe.
Im Kampf agierte der Ritter hauptsächlich mit zwei Arten von Waffen: der Stoß- und der Schlagwaffe. Zu Anfang des Kampfes setzte er vor allem seine Stoßlanze ein, die es auf die beachtliche Länge von drei Metern schaffte.
Eine spezielle Art der Lanze, die Turnierlanze, kam wohl im 13. Jahrhundert auf. Sie bestand aus leicht splitterndem Nadelholz, das eigentlich eine höhere Sicherheit gewährleisten sollte – der französische König Heinrich II. starb allerdings 1559 genau an dem splitternden Schaft eben einer solchen Lanze.
Als Inbegriff des Rittertums gilt und galt jedoch das Schwert. Die lange, beidseitig geschliffene Schlagwaffe kam in der Schlacht meist im Nahkampf zum Einsatz, oder wenn die Lanze gebrochen war.
Darüber hinaus hatte das Schwert für den Ritter auch symbolischen Wert, mitunter wurde es als regelrecht heilig angesehen. Häufig sprachen die Menschen den Schwertern sogar übernatürliche Kräfte zu und gaben ihnen eigene Namen.
Neben diesen beiden gängigsten Waffen griffen die Ritter aber auch auf anderes Kriegswerkzeug zurück wie den Streitkolben, den Morgenstern und die Streitaxt – mit ihr konnten sie sogar Rüstungen aufreißen.
Dem Schild, der in Form und Farbe stark variieren konnte, kam eine Sonderstellung unter den Waffen zu. Er diente nicht nur dem Schutz vor Angriffen, der Ritter konnte auch selbst Schläge damit austeilen.
Ohne Ross kein Ritter
Eine besondere Bedeutung in der Ausrüstung des Ritters kam seinem Pferd zu. Es war sein Statussymbol, von ihm hing seine Existenz als Krieger ab.
Und ein Ritter musste im Besitz gleich mehrerer Pferde sein. So brauchte er ein Reisepferd, ein Saumpferd, das seine Rüstung tragen musste, und das schwere, besonders wertvolle Pferd für die Schlacht, das im 11. Jahrhundert einen Wert von fünf bis zehn Ochsen hatte.
Ging es in den Kampf, trug nicht nur der Ritter eine Rüstung, sondern auch das Schlachtross war gepanzert. Das war allerdings erst seit den Kreuzzügen so, als die Ritter zunehmend auf Gegner wie die Fußsoldaten trafen, die sich nicht an die ritterlichen Standesregeln gebunden sahen. Diese untersagten nämlich streng die vorsätzliche Tötung der äußerst kostbaren, eigens für den Kampf trainierten Tiere.
Erst kurz vor dem Angriff, nachdem seine Knappen ihn auf den Pferderücken gehievt hatten, übernahm der Ritter hoch zu Ross Lanze und Schild, und die Einheit aus Mann, Rüstung und Pferd war bereit für die Schlacht.
Das Streitross zeichnete sich übrigens weniger durch besondere Schnelligkeit als durch Wuchtigkeit aus. Da sich die gesamte Energie dieses Trios in der Spitze der Lanze bündelte, hatte es im Kampf eine immense Durchschlagskraft.
Mit der Verbindung des Ritters mit seinem Pferd stand und fiel sein Erfolg. War das Ross kampfunfähig oder sogar tot, wurde der Ritter in der Schlacht schnell zu leichter Beute. Funktionierte die Einheit aus Mensch und Tier jedoch, sahen sich seine Gegner einem nur schwer zu schlagenden Feind gegenüber.
Ein muslimischer Gelehrter brachte es während der Kreuzzüge auf den Punkt: "Wenn ein Franke einmal in Fahrt gekommen ist, könnte er die Mauern von Bagdad durchbrechen."
Quelle: mittelalter/ritter/pwieruestungundausruestung100.html
..............................................................................
Doch auch kritisch waren …
Schwerthiebe und Speerstiche:
Plattenpanzer boten einen hervorragenden Widerstand gegen Hieb- und Stichwaffen. Schwerter konnten die gehärteten Stahlplatten normalerweise nicht durchdringen, sondern glitten an der geformten Oberfläche ab.
Pfeile:
Auch gegen Pfeile von Langbögen oder Armbrüsten bot die Rüstung guten Schutz, besonders auf größere Distanz. Die Energie der Projektile wurde oft absorbiert oder abgelenkt.
Mehrschichtiger Schutz:
Unter der eigentlichen Plattenrüstung trug der Ritter in der Regel ein gepolstertes Untergewand (Wams oder Waffenrock) und oft zusätzlich ein Kettenhemd, um die Lücken zwischen den Platten abzudecken und die Wucht von Schlägen weiter zu mindern.
Schwachstellen und Gegenwaffen
Die Rüstung war jedoch nicht unüberwindbar und ihre Entwicklung führte auch zur Entwicklung spezieller Gegenwaffen:
Stumpfe Waffen: Waffen wie Streitkolben, Kriegshämmer und Morgensterne waren darauf ausgelegt, die Wucht des Aufpralls durch die Platten hindurch auf den Körper des Ritters zu übertragen. Auch wenn die Rüstung nicht durchschlagen wurde, konnten diese Schläge zu schweren inneren Verletzungen, Prellungen oder Knochenbrüchen führen.
Stichwaffen für Lücken: Spezielle Stangenwaffen wie Hellebarden oder Luzerner Hämmer hatten oft spitze Enden, die darauf abzielten, in die Fugen und Spalten der Rüstung einzudringen, insbesondere an den Gelenken, Achselhöhlen oder am Visier des Helms.
Feuerwaffen: Mit dem Aufkommen von Musketen und anderen frühen Feuerwaffen verloren die Rüstungen an Effektivität, da die hohe Durchschlagskraft von Kugeln selbst dicke Platten durchdringen konnte, besonders auf kurze Distanz.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die schwere Rüstung einen Ritter zu einer Art "gepanzertem Fahrzeug" des Mittelalters machte, das gegen die meisten Bedrohungen hochwirksam geschützt war, aber dennoch spezifische Schwachstellen hatte, die erfahrene Gegner auszunutzen wussten.
Nur gut, dass wir heutzutage keine Rüstung dieser Art mehr in der Bundeswehr haben, sonst würden sich noch weniger zum Wehrdienst melden. Und die, die sich melden, würden sich dann nur zu „Knappen“ verpflichten wollen. Nach dem Motto: lieber Rüstung putzen, als Rüstung tragen.
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