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Im Vorbeigehen

Lothar Mantel
„gut, dass wir mal darüber gesprochen haben...“


Ein Vorschlag von Brida zum Beschnitt des Fotos: https://www.fotoforum.de/community/foto/1344335-streiflicht#comment-1904883
Liebe Brida, ich habe deinen Vorschlag hier umgesetzt. Es ist dann natürlich ein ganz anderes Bild. Konzentriert auf das, was dir in deiner Wahrnehmung wichtig war. Damit kann ich prima leben, die Reduzierung auf das Licht und die Architektur gefällt mir gut. Der Tunnelblick, sozusagen, ist evident. Gleichwohl fehlt dann aber das Atmosphärische. Die Stimmung, die auch durch die Person transportiert wird, von der ich gar nichts weiß und die für mich eine Art Spannungsbogen zu den Personen im Hintergrund darstellt, die so ganz anders aussehen, daherkommen. Und genau in diesem Raum dazwischen findet das Lichtspiel statt. Rein formal, auch aufgrund des Seitenverhältnisses, finde ich das andere Foto ausgewogener.
Jetzt sind wir wieder an dem Punkt, wo das Erleben einer Situation beim Fotografieren die eigene Einschätzung des fertigen Bildes tangiert. Die neutralen Betrachter sind aber immer im Vorteil, weil nur das Foto wirkt oder nicht; und das Erleben und Empfinden des Fotografen wenn es klick macht, unsichtbar bleibt.
Für mich fehlt hier etwas. Für jemand der nur dieses Bild sieht, fehlt überhaupt nichts.
Vielleicht möchte sich jemand an der Diskussion beteiligen?
Kategorie: Street
Rubrik: Im Vorbeigehen
Hochgeladen: 02.03.2024
Kommentare: Favoriten4
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Kamera: Canon EOS 5D Mark III
Objektiv: EF24-105mm f/4L IS USM
Blende: f/9
Brennweite: 24 mm
Belichtung: 1/250 sec
ISO: 1250
Keywords: Bologna, Street


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Kommentare zum Bild

Hartmut Frentz
02.03.2024

Lieber Lothar,
gern beteilige ich mich an der von dir initiierten Diskussion:
Entscheidend für das Festhalten eines fotografischen Moments ist für mich meine persönliche Wahrnehmung des Motivs sowie meine Darstellungsabsicht. Beides ist geprägt von meinen Vorlieben, Einstellungen, Empfindungen, Meinungen etc., also von meiner Sicht auf die Dinge. Das kann und muss nicht die Sicht anderer sein! Das Foto als Ergebnis bildet also nicht nur einen für mich magischen Moment ab, sondern es gibt auch etwas von mir selber wieder. Nur dadurch kann sich eine Authentizität entwickeln.
Natürlich interessiere ich mich für die Resonanz der das Foto Betrachtenden, insbesondere, wenn sie über eine solche Kompetenz verfügen wie du, bin aber nicht unbedingt bereit, das Foto in deren Sinne gravierend zu verändern, denn dadurch würde es seine Authentizität verlieren.
Ich stimme dir zu: Bleib bei der ersten Version, dann fühlst du dich auch wohler.
Gruß Hartmut

Brida
02.03.2024

Zuerst einmal, Lothar, danke ich dir, dass du es just ausprobiert hast ;-) Das weiß ich zu schätzen und das ist es ja auch, was uns hier Beide – so ich zwischenzeitlich weiß - im Austausch miteinander trägt: einerseits die Zustimmung und das Teilen der Freude über ein gelungenes Foto – und deine Streets finde ich immer sehr gelungen – und andererseits das Öffnen und Hinwenden zu anderen Sichtweisen einer Bearbeitung. Dabei, und ich schrieb das schon an anderer Stelle, und ich denke, das weißt du auch, erhebt meine Ansicht, die ich entwickle – gerade was Vorschläge für einen neuen Bildschnitt anbelangen – NICHT den Anspruch dass das nun sein müsse. Sondern ist ein Gedankenansatz, eine andere Variante. So könnte und dürfte es sein, aber muss nie. Es ist dein Foto und damit bleibt es immer auch deine Entscheidung. Ich denke, wir verstehen uns da.

Und nochmal, ich finde dein Foto – so wie du es eingestellt hast – die Version 1 von gestern nach wie vor gut. Ich schrieb ja gestern in meiner Anmerkung dazu: „ …mir hätte das Foto in diesem Falle auch noch anders, enger geschnitten gefallen …“ AUCH, heißt im Umkehrschluss mir gefällt es schon so, wie es ist, könnte aber mal probieren, ob ...

Ich gebe dir ebenso damit recht, was du zum Empfinden schreibst, wenn ich als Fotograf leibhaftig in einer Szene drinstecke oder als Betrachter/in zu Hause vorm PC ein Foto mir ansehe und daraus meine Empfindungen und Gedanken ableite. Das eigene Erleben einer Szene im Moment der Aufnahme und das Betrachten eines Bildes von einem anderen sind einfach „zwei verschiedene Schuhe“. Es kann Übereinstimmungen geben zwischen Fotograf und Betrachter/in, aber eben auch neue Intentionen, eine andere Geschichte, andere Empfindungen, die derjenige, der das Foto sieht, für sich daraus liest. Gerade bei einem Street. Das wird immer so sein. Ich sende mit meinem Foto eine Botschaft – hier du -, ob sie 1:1 empfangen wird, habe ich nicht in der Hand. Deshalb u.a. gibt es diesen Austausch in der Community. So verstehe ich mich hier.

Ich verstehe auch deinen gedanklichen Spannungsbogen, den du zu der Person links am Rand, gerade weil sie den Blick zu den Ankommenden in der Ferne richtet, schlägst. Dem gibt es nichts hinzuzusetzen, gar entgegenzuhalten.

Mein Spannungsbogen in der Bildbetrachtung und Bewertung wurde hier hergestellt über deinen gewählten Bildtitel zu dem, was ich sehe und eben – ohne die Atmosphäre des Drumherum - nur den grafischen Aspekt des Säulenganges und der Sonnenlinien mit deren Spiegelung. Daraus überhaupt erst zog ich in Erwägung einen engeren Schnitt mal auszuprobieren, um darauf nur zu fokussieren. Mehr denn nur die Architektur.

Und, ja doch, in diesem neuen Schnitt – das war mir aber von vornherein schon bewusst – ist es ein anderes Foto. Und wie du das Anliegen meines Vorschlages für mich richtig interpretiert hast „fokussiert auf das, was mir wichtig war“ (Am Rande: links meinte ich noch etwas mehr, direkt oben am Bogen, die Säule komplett mit einem schmalen Lichtspalt noch und der Papierkorb auch im Bild. Das aber wirklich nur am Rande, denn darum geht es schlussendlich jetzt nicht.).

Doch kommt es darauf an, was mir wichtig war? Nein, keineswegs. Wie ich oben eingangs sagte und meine Auffassung ist: Es soll so sein, wie es dir und was dir wichtig dabei war!
Ja, lieber Lothar :-) - „gut, dass wir mal darüber gesprochen haben...“ Danke!

Michael Dehms
02.03.2024

Bild 2 konzentriert sich stärker auf den Bogengang / Arkadengang und auf das darin einfallende Licht. Die Personen wirken für mein Empfinden etwas zu weit entfernt. Bild 1 erfasst auch die Straße und die gegenüberliegenden Gebäude, ebenfalls mit Arkadengang. Die Person im Vordergrund belebt das Bild stärker, gibt dem Bild also eine andere Atmosphäre. Auch habe schon Arkadengänge gemäß Bild 1 fotografiert, allerdings mit Personen, die mehr in der Nähe standen / gingen. Wenn ich jetzt Deine beiden Varianten vergleiche, wäre mein Favorit das Bild 1. Ist mehr Leben drin - nach meiner ganz persönlichen Empfindung.
Gruß Michael

Lothar Mantel
03.03.2024

Herzlichen Dank für Eure Teilnahme an diesem Versuch!