Die Top 12 des fotoforum-Awards 4/2026
»PFLANZEN«

1. Platz, Kategorie Bäume

Kai Bratke: »Frozen«

Kai Bratke aus Rostock war im Januar 2026 auf einer Wiedervernässungsfläche in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs: „Durch die lange Frostperiode war die komplette Fläche von einer dicken Eisschicht bedeckt. Ich versuchte vor allem, Strukturen wie beispielsweise Risse, Blasen oder durch das Eis überfrorene Strukturen wie den dicken Ast in diesem Foto zusammen mit den abgestorbenen Bäumen mit dem Weitwinkel in Szene zu setzen. Da die Winter immer milder werden, wird die Gelegenheit, in diesem überfluteten und toten Wald spazierenzugehen und zu fotografieren, wohl nicht so schnell wiederkommen. Dieses Erlebnis war mein Highlight des vergangenen Winters“, berichtet er uns. Auch für die Jury war das Bild das Highlight. Es passt einfach alles: Die Farbigkeit unterstreicht die Kälte, die Strukturen im Eis finden ihr optisches Echo oberhalb der Eislinie, der Bildaufbau ist klar. Eine besondere Feinheit ist der Schatten des Baumes, der beide Strukturen miteinander verbindet.

200 Euro / 10 Punkte

2. Platz, Kategorie Bäume

Marte Engelbrecht: »Malerisch «

Marte Engelbrecht aus Grundhof zu ihrem Bild: „Immer wieder besuche ich das nahegelegene Naturschutzgebiet Geltinger Birk. Auf einem spätsommerlichen Abendspaziergang fiel mein Blick wieder einmal auf diese wunderschöne und alleinstehende Eiche. Ich bin schon viele Male an ihr vorbeigegangen, doch dieses Mal beschloss ich, den Baum mittels ICM-Technik festzuhalten. Mithilfe eines ND-Filters verlängerte ich die Belichtungszeit auf acht Sekunden und bewegte meine Kamera während dieser Zeit. So entstand das malerisch wirkende Foto.“ Die Juroren waren begeistert vom Motiv und dessen Wirkung. Die Farben verschwimmen ineinander und sind dennoch gut genug voneinander getrennt. Der Baum bietet dem Bild und somit auch dem Auge Halt.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Bäume

Dieter Mendzigall: »Sturmschaden«

Dieter Mendzigall aus Diekholzen war im Harz an der Ilse unterwegs, um Eis zu fotografieren. Neuschnee machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung: „So wanderte ich auf den Meineberg bei Ilsenburg, und mit der Höhe nahmen Raureif und Nebel immer weiter zu. Die Herbststürme hatten dafür gesorgt, dass zahlreiche geschwächte Nadelbäume umgefallen waren.“ Und genau hier fand er sein Motiv, indem er die Bruchstelle vor die Nebelwand platzierte und den Blick entlang des gefallenen Baumes wandern ließ. Die Jury freute sich über das eher klassische Motiv mit gekonnter Umsetzung. Gleichzeitig symbolisiert es auch den Zustand des Waldes in Deutschland, der bekanntermaßen leider nicht besonders gut ist.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Abstrakt

Roswitha Schleicher-Schwarz: »Die Schüchternheit der Bäume«

Roswitha Schleicher-Schwarz aus München zu ihrem Bild: „Nach der Lektüre eines Zeitungsartikels über die sogenannte Baumkronenschüchternheit, also den Abstand, den Bäume zueinander halten, hatte ich den Wunsch, dieses Phänomen bildlich darzustellen. Dazu verwendete ich zwei vollkommen unspektakuläre Fotos. Eines aus Holland mit einer Baumreihe und ein weiteres von blattlosen Winterbäumen aus der Messe­stadt in München. Letzteres drehte ich um 180 Grad und verwendete die Bäume als Symbol für die Wurzeln. Nach der Montage legte ich etwas Nebel über das Bild und wandelte es in Schwarzweiß um.“ Die Juroren freuten sich über die abstrakt-kreative Arbeit mit grafischer, aber auch mystischer Wirkung. Lange betrachteten sie das Bild, um es zu dechiffrieren.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Abstrakt

Simone Wirth: »Kälteflirren«

Simone Wirth aus Windisch/CH war in der Nähe von Luleå im Norden Schwedens unterwegs und erfüllte sich mit ihrer Familie einen lang gehegten Traum: den Winter im Norden. „Minus 26 °C – diese Kälte wollte ich mit dem flüchtigen Nachmittagslicht in einem Bild einfangen. Dafür nutzte ich die kamerainterne Doppelbelichtung und kombinierte eine horizontale mit einer vertikalen Aufnahme bei einer Belichtungszeit von je 1/5 Sekunde. Die Kamerabewegung erfolgte intuitiv – vielleicht sogar inspiriert vom Rhythmus des markanten Rufs ‚Kjäh‘ des Schwarzspechts in der Nähe. So entstand im Gesamtbild ein Flirren, das für mich die Kälte und das flüchtige Licht in dieser wunderbaren, ­verschneiten Waldlandschaft spüren lässt“, erzählt Simone Wirth. Die Juroren waren fasziniert vom Werk, den wenigen Farben und der Wirkung. Das Flirren ist das, was das Bild zum Top-Bild macht.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Abstrakt

Astrid Emmrich: »Winterstille«

Astrid Emmrich aus Paderborn fotografierte einen Baum inmitten einer schneebedeckten Heidefläche. „Die Aufnahme entstand als Mehrfachbelichtung aus sechs Einzelbildern. Ziel war, den starken Hell-Dunkel-Kontrast zwischen dem Baum und dem Hintergrund zu betonen und die Szene zugleich bewusst zu verfremden. Alle Aufnahmen wurden vom Stativ aus erstellt, um den Stamm exakt zu überlagern, während ich mich zwischen den Belichtungen leicht entlang des Weges bewegte“, berichtet sie uns. Die Jury lobte die gekonnte Verfremdung und das Kontrastspiel.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Im Detail

Nicolaia von Guaita: »Anemone«

Nicolaia von Guaita aus Schefflenz hatte einen Umbau samt Umzug hinter sich und wollte Farbe im neuen Garten haben: „Ich habe wahllos irgendwelche Blumen gesetzt. Die Anemone hat mich lange erfreut und mich im neuen Heim wieder anfangen lassen, zu fotografieren. Mich faszinierten die Farbe und die Form mit den aufgerollten Spitzen, der Flaum und das dichte Gewusel im Innern. So mag ich es am liebsten zu fotografieren: Makro drauf, raus in die Natur, Augen und Herz auf, und gucken, was mich überrascht“, erzählt sie uns. Die Jury hatte viele Assoziationen bei dem Bild. Eine war eine Tanzgruppe im Stil von Pina Bausch, bei der die Fruchtkörper die Tänzer und die Blätter die Bühne sind. Ein Bild mit Facetten und zahlreichen Details – ein Bild für den ersten Platz.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Im Detail

Guy Goetzinger: »Feinheiten«

Guy Goetzinger aus Baden-Dättwil/CH fotografierte in einer Gärtnerei das Blatt einer Calathea, einer exotischen Hauspflanze und erzählt: „Die Calathea, auch bekannt als Korbmarante, ist eine tropische Pflanze, die für ihre wunderschönen, gemusterten Blätter bekannt ist. Fasziniert hat mich die Struktur, auch weil ich mir nicht erklären kann, wie sie entsteht.“ Die Jury teilte die Begeisterung, besonders auch für die zahlreichen Details und Linien, die das Bild offenlegt.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Im Detail

Andrea Mayer: »Anemone«

Andrea Meyer aus Stuttgart entdeckte auf einem Spaziergang diese wunderschöne Blüte einer japanischen Herbst-Anemone. „Die Blume hat nur für kurze Zeit in genau dieser perfekten Form existiert – frisch aufgeblüht am frühen Morgen, noch unberührt von Wind oder Insekten. Ein kurzer Zustand von Vollkommenheit, der wenige Stunden später schon wieder vergeht“, erzählt sie. Die Juroren waren von der Farbigkeit, dem Spiel aus Licht und Dunkelheit sowie natürlich den Details begeistert.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Schwarz-Weiß

Jörg Franzen: »natürlicher Barcode«

In einem Park in Berlin fotografierte Jörg Franzen aus Vettweiß dieses Schilfgras. „An jenem Aprilabend fiel mir das schilfbestandene Ufer eines dieser Seen und die nahezu spiegelglatte Wasseroberfläche auf. Die Abendsonne erhellte das Schilf und verstärkte die Spiegelung im Wasser. Während der RAW-Entwicklung kam mir die Idee zu einem quadratischen Schnitt und einer Schwarzweißkonvertierung, die den Spiegelungseffekt noch unterstrich“, erzählt er uns. Die drei Juroren entdeckten ein Motiv, das einfach ist, aber umso perfekter inszeniert wurde. Die Schwarzweißumwandlung lässt das Bild noch grafischer wirken, als es ohnehin schon ist.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Schwarz-Weiß

Marte Engelbrecht: »Baum am Meer«

Marte Engelbrecht aus Grundhof fotografierte eine Eiche unweit der Wasserkante an der Ostsee und erzählt: „Der Umstand, dass ziemlich schlechtes Licht herrschte, brachte mich auf die Idee, eine längere Belichtungszeit zu verwenden. Mit zwei Sekunden und schnellen Bewegungen mit der Kamera kam ich zu diesem Ergebnis.“ Die verwischten Konturen lassen Spielraum für Interpretation, die Schwarzweißumwandlung fokussiert das Motiv zudem auf das Wesentliche: den Baum.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Schwarz-Weiß

Peter Albrecht: »Bocksbart, verblüht«

Peter Albrecht aus Königsbrunn fotografierte einen verblühten Wiesen-Bocksbart nicht einmal, sondern über 100 Mal, um eine Fokusstacking-Aufnahme daraus zu erzeugen. Er verwendete allerdings nur Aufnahmen mit scharfen Knotenpunkten, um so Ruhe und Tiefe im Bild zu gewinnen. Die Jury lobte besonders den Blick aus der Blüte heraus und natürlich die perfekte technische Umsetzung.

50 Euro / 6 Punkte