Was guckst Du ?

KlaMei
„Was guckst Du ?“


Schottischer HighlandCattle 
                                                   
Als Kind habe ich immer nur die schwarz-weiß gefleckten Kühe mit kurzem Fell und den dazugehörigen Bullen auf unseren Weiden gesehen. In Bayern mit einer Glocke um den Hals, die bei jeder Bewegung bimmelte. Alle mit Hörnern auf dem Kopf.
Im Winter waren dann dieTiere im Stall, ab dem Frühling wieder auf der Weide, auch mit den neugeborenen Kälbern. So zumindest ist meine Warnehmung von damals.  
 
Irgendwann sah ich immer mehr „exotisch“ aussehende Exemplare auf den Wiesen. Hatten die jungen Landwirte hier ein neues Hobby entdeckt ? Mein Eindruck war zuerst, daß es hier um einen Schönheitswettbewerb unter den Besitzern ging. Ich sah immer neue unterschiedlich aussehende Rassen, die diese Vermutung verstärkten.

Was war aber der Grund für diese Veränderung auf den Weiden? Die Erklärung dazu ist weiter unten zu lesen...

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Früher sah ich eigentlich immer nur eine Version von Kühen auf den Weiden unserer Bauern. Die sogenannte „Holstein-Kuh. Sie war klein, gab Milch, Fleisch und wurde sogar als Arbeitstier benutzt. Später übernahmen Maschinen die Arbeit und die Kuh wurde zur Hochleistungsrasse in der Milch- und Fleischerzeugung verwendet.                                                                                   
Die Hörner wurden durch Züchtung entfernt (wegen der Verletzungsgefahr). Die Wachtumszeit, Körpergröße und Milcherzeugungsmenge wurde beschleunigt bzw. erhöht. Durch eine ständige „Maximierung“ und aufwendige Haltung und Fütterung wurden die Tiere allerdings anfälliger und kostenintensiver für den Viehzüchter.                                                                                   
Viele Tiere haben heutzutage noch nie eine Weide gesehen und verbringen ihre kurze Lebenszeit angebunden im Stall. Ca. 83% der Rinder und Milchkühe in Deutschland haben das ganze Jahr  über keinen Weidegang. Damit hatte die romantische Darstellung einer „glücklichen Kuhherde“ auf einer grünen Wiese für immer ein Ende.

Der Milch- und Fleischpreiskampf in der EU, sowie die weltweiten Einfuhren in den europäischen Markt, erhöhten den Preisdruck bis heute auf unsere Landwirte. Viele der Züchter konnten nicht mehr eine rentable Viehwirtschaft betreiben und gaben auf. Die noch übriggebliebenen Betriebe suchen immer wieder nach Lösungen. Besonders die kleinen Zuchtbetriebe leiden heute noch darunter.

Bei der Milchproduktion sind nach wie vor keine Verbesserungen im Verkauf mehr möglich, um einen höheren Ertrag zu erzielen. Hier geht es nur noch über die Menge. Wegen einem unrentablen Preiskampf und hohen Vorgaben in der Gesetzgebung, Bürokratie, etc. haben sich immer mehr kleinere Viehzüchter nach Alternativen für die Erzeugung einer besseren Fleischqualität umgesehen. Denn mit einer guten Fleischqualität und einer einfacheren Tierhaltung sind höhere Gewinne zu erzielen als mit der konventionellen Milchkuh. So erhoffen die kleinen Landwirte gegen die großen Betriebe mit Massentierhaltung bestehen zu können.
Also sah man sich im Ausland um und wurde fündig.

Nachfolgend ein Beispiel einer Rasse, das in meinem Foto zu sehen ist. Hierbei handelt es sich noch um ein junges Rind aus Schottland, dass ich mit seiner Herde in meinem Nachbarort sehe.
Das sind die Hauptgründe für die neuen Züchtungen in Deutschland:   
                                                                                                                                                                 
1. In Deutschland halten Züchter schottische Hochlandrinder (Highland Cattle) vor allem wegen ihrer extremen Robustheit, ihrer Eignung für die Landschaftspflege und der hohen Fleischqualität. Die erste Einführung nach Deutschland erfolgte im Jahr 1978.

Robustheit und Ganzjahreshaltung.
Wetterfestigkeit: Durch ihr zweilagiges Fell (langes Oberhaar und dichtes Unterhaar) sind sie perfekt an kalte und nasse Witterung angepasst.

Ganzjährige Weidehaltung: Sie benötigen keinen festen Stall, sondern lediglich einen Unterstand als Schutz vor extremem Wind und Dauerregen.

Genügsamkeit: Die Tiere kommen mit kargem Futter (Gras und Heu) aus und gelten als sehr anpassungsfähig an schwierige Standorte.

2. Einsatz in der Landschaftspflege
Natürliche Rasenmäher: In Naturschutzgebieten oder auf Grenzertragslagen halten sie Gräser, Kräuter und sogar das Laub von Bäumen kurz.
Erhalt von Kulturland: Da sie sehr wendig und leicht sind (ca. 1,3 m Widerristhöhe), verursachen sie weniger Trittschäden als schwerere Rassen und können so wertvolle Flächen offen halten.

3. Fleischqualität und Direktvermarktung
Besondere Merkmale: Das Fleisch ist mager, gut marmoriert, zart und hat einen niedrigeren Fett- und Cholesteringehalt als herkömmliches Rindfleisch.

Exklusivität: Aufgrund des langsamen Wachstums (Zuchtreife erst mit ca. drei Jahren) gilt das Fleisch als Delikatesse und erzielt in der Direktvermarktung hohe Preise.

4. Einfaches Herdenmanagement
Gutmütiger Charakter: Trotz ihrer imposanten Hörner gelten Hochlandrinder als ruhig, sozial und menschenbezogen.
Problemloses Abkalben: Die Kühe kalben in der Regel ohne menschliche Hilfe und verfügen über sehr gute Muttereigenschaften.

Langlebigkeit: Mit einer Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren und einer langen Reproduktionsphase sind sie für Züchter nachhaltig rentabel.

Jetzt ist mir klar, warum wir immer häufiger diese Art von Rinder auf den Weiden sehen. Auch ich finde sie sehr schön. Sie erinnern mich eher an die Büffelherden aus den amerikanischen Wild-Westfilmen, als die Milchkühe von damals.                                                                                                                        
Darum freue ich mich immer wieder auf den Anblick einer Weide, wo die weiß-schwarz oder weiß-braun gefleckten Milchkühe mit dicken Eutern und fladigen Hinterlassenschaften durch ein vertrautes „Muuuuuh“ zu sehen und zu hören sind. Vermutlich ist das ein Gefühl von Heimat und Kindheitserinnerungen. Aber wer weiß wie lange noch ?  
Kategorie: Tiere
Rubrik: Nutztiere
Hochgeladen: 15.04.2026
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Kamera: SM-G930T
Objektiv:
Blende: f/1.7
Brennweite: 4.2 mm
Belichtung: 1/624 sec
ISO: 50
Keywords: Highland Cattle


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